DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung

DIE Zeitschrift 2003/1

Titelblatt der Printausgabe 2003/1

Zukunft Organisation

Das Heft bietet eine Vergewisserung über den Entwicklungsstand der Organisationsfrage im Weiterbildungsbereich. Hierzu wurden die Bezugswissenschaften der Erwachsenenbildung befragt: Aus Sicht der Pädagogik müssen Einrichtungen das Pädagogische in der Organisation stärker ausprägen (Schäffter). Die Soziologie füllt die Modewörter des Organisationsdiskurses (Kultur, System, Netzwerk) auf ihre Art trennscharf (Dollhausen). Zudem wird die Fülle der organisationspsychologischen Literatur für die Weiterbildung gesichtet (Kil). Für die Praxis bündelt Hartkemeyer geeignete Strategien für den Umgang mit wechselnden Management-Moden.

INHALTSVERZEICHNIS
Seite
Vorsätze
3
Magazin
6 Berichte, Veranstaltungen, Neue Bücher, Neue Medien
Thema
20 Abstract: Deutsch
Stichwort
Zukunft Organisation
Meisel, Klaus
Begriffklärungen rund um das Thema Organisation.
22 Abstract: Deutsch
Gespräch
Bildungseinrichtungen lernen von der Wirtschaft:
»Das Kerngeschäft muss lukrativ sein«
Herrmann, Doris
Doris Herrmann war Unternehmensberaterin bei Kienbaum Management Consultans im Bereich Bildung und Wissenschaft. Sie begleitete Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen bei Reorganisationsprozessen. Demnächst wird sie bei der Akkreditierungsagentur AQAS in Bonn Begutachtungsverfahren für die neuen Studiengänge Bachelor und Master koordinieren. Auf die Frage, was Bildungseinrichtungen von der Wirtschaft lernen können, macht sie für vier Bereiche erheblichen Veränderungsbedarf aus: Professionalisierung der Leitung, Kundenorientierung, Qualitätssicherung und Personalentwicklung.
25 Abstract: Deutsch English
Wenn Strukturen »lernen« gelingen lassen
»Organisation« aus erwachsenenpädagogischer Sicht
Schäffter, Ortfried
Auf den ersten Blick klingt Ortfried Schäffters These banal: Eine „pädagogische” Organisation ist eine, der es gelingt, das Zusammenspiel aller ihrer Kräfte erfolgreich auf die Erbringung ihrer spezifischen – nämlich pädagogischen – Leistung zu lenken. Genau bedacht bedeutet dies aber, dass eine pädagogische Organisation eine ist, die „Lernen” erreicht. Ihre Leistung misst sich nicht in Verwahrzahlen, Versorgungszeiten, Hilfs- oder Beratungsaktivitäten. Und auch nicht am Umsatz. Dass „Lernen” mehr als eine unbeabsichtigte Nebenwirkung ist, müssen die Strukturen möglich machen. Das meint „pädagogische Organisationstheorie”.
At first sight, Ortfried Schäffter’s thesis
looks trivial: a »pedagogical« organisation
is an organisation that concentrates
on focussing the interplay of
all its energies on the success of its
specific – namely, pedagogical – work.
Examined more carefully, however,
this means that a pedagogical organisation
is one that furthers learning.
Its success cannot be measured in
terms of numbers of charges taken
care of, duration of care, or hours
spent in caregiving or counselling, nor
in terms of turnover. Its very structure
must ensure that »learning« is more
than an incidental by-product. This is
what a theory of pedagogical organisations
is all about.
29 Abstract: Deutsch English
Kultur, System, Netzwerk
Anstöße durch die soziologische Organisationslehre
Dollhausen, Karin
Der gegenwärtige Diskurs in der Weiterbildung handelt immer wieder von Kulturen, Systemen und Netzwerken. Karin Dollhausen unterstützt diesen Diskurs durch eine saubere Unterscheidung der organisationssoziologischen Bedeutungen dieser zentralen Begriffe. Anschließend klärt sie, was jeder einzelne der Begriffe für öffentliche Weiterbildungseinrichtungen bedeuten kann und soll: „Kultur” als das Wie des Innenverhältnisses der Organisation lenkt den Blick auf das interne Kommunikationsgeschehen. Die Systemperspektive deutet vorhandene Umweltbezüge als „hausgemacht”. Das „Netzwerk” schließlich reflektiert den Ort der Einrichtung im Feld kooperierender und um Marktanteile bemühter Institutionen.
The present discourse in further education is recurringly concerned with cultures, systems and networks. Karin Dollhausen aims at furthering this discussion by drawing a neat line of definition between these crucial terms under the aspect of the sociology of organisations. She goes on to explain what each of the terms does or should mean for public institutions of further education: »culture« – seen as the system of relationships within an organisation – sharpens the view of internal communication patterns. The perspective of »system« interprets the institutions’s relationship to its environment as »home-made«. Finally, »network« reflects the position of the institution relative to other cooperating and competing institutions.
33 Abstract: Deutsch English
Im Zentrum steht der Mensch
Der Beitrag der Psychologie zum Organisationsdiskurs
Kil, Monika
Den Blick auf die Personen und Akteure in Organisationen zu richten, steht von jeher im Fokus der psychologischen Organisationsforschung. Monika Kil verweist darauf, dass auch die Pädagogische Psychologie, die Kognitions- und die Sozialpsychologie Erkenntnisse liefern, die zur lernförderlichen Gestaltung von Weiterbildungsorganisationen beitragen können. Die Entwicklung einer „Lernkultur” ist dabei ein Aspekt. Der Überblick über weitere Entwicklungen und Befunde eröffnet darüber hinaus neue Dimensionen für den Diskurs über Organisation in der Erwachsenen- und Weiterbildung.
Looking at persons and at those active in organisations has forever been in the focus of psychological research on organisations. Monika Kil draws attention to the fact that pedagogical psychology, cognitive psychology and social psychology can also contribute towards a structuring of further education institutions that is conducive to learning. Developing a »learning culture « is one aspect of this. A review of further developments and findings opens up new dimensions for a discourse on organisations in adult and further education.
37 Abstract: Deutsch English
Moden, Modelle, Mythen, Menschen
Weiterbildungsorganisationen im Prozess der Modernisierung
Hartkemeyer, Johannes F.
Wer in der Praxis die Leitung von Weiterbildungseinrichtungen beobachtet, kann ein Lied von schnell wechselnden Managementstrategien singen. Johannes Hartkemeyer, selber Leiter einer VHS, sichtet die Moden der Vergangenheit und gibt Leitgedanken für den Umgang mit kurzlebigen Moden einerseits und mit dem Thema Organisationsentwicklung andererseits an die Hand. Sein Rat ist: Eine „lernende Organisation” sein, in einem permanenten Reflexionsprozess ihre „mentalen Modelle” beachten und an der Sinnfrage orientiert bleiben! Frei nach dem Buch der Sprüche (Altes Testament): „Ein Volk ohne Visionen geht zugrunde”.
Keeping an eye on the practice of management in further education institutions, the observer will encounter a rich variety of changing management strategies. Johannes Hartkemeyer, himself director of a Volkshochschule, scrutinizes past crazes and sets up guidelines for dealing with ever-changing fashions on the one hand, and organisational development on the other hand. His advice is to be a »learning organisation«, watch out for »mental models« of the organisation in a permanent process of reflection and stay tuned to the question of purpose – keeping in mind the biblical Book of Proverbs: »Where there is no vision, the people perish«.
42 Abstract: Deutsch
Rückblicke
Erwachsenenbildung hat sich schon immer »organisiert«
Pruisken, Thomas
Ein historischer Längsschnitt zum Thema Organisation in der Erwachsenenbildung vom 18. Jahrhundert bis heute.
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Neue Medien ungenutzt?
Folgen der digitalen Wende für die Organisation von Weiterbildungseinrichtungen
Stang, Richard
Ein empirisches Forschungsprojekt des DIE zur Rolle der Neuen Medien bei Organisationsfragen zeigt, dass Einrichtungen die Potenziale nur eindimensional nutzen. Ein großer Teil der Einrichtungen gibt zwar an, dass sich Neue Medien auf ihre Organisation auswirken, sieht dies aber auf den Bereich der Verwaltung beschränkt. Richard Stang entwickelt aus ersten empirischen Ergebnissen Thesen zu bisher erreichter und künftig wünschenswerter Berücksichtigung Neuer Medien bei Fragen der Organisationsentwicklung.
Forum
43 Abstract: Deutsch English
Erwachsenenbildung in Griechenland
Mavridis, Savvas
Im griechischen Bildungssystem reproduziert sich die historisch-kulturelle und regionale Segmentierung der Gesellschaft. Gab es früher die Spaltung zwischen (westlichen) Auslandsgriechen mit ihrer hohen Bildung und den ungebildeten Einheimischen, so finden wir heute wohlhabende griechische Studierende an westlichen Universitäten und die Mehrheit der Jugend in den rückständigen Hochschulen des Landes. Auch in der Erwachsenenbildung werden die bestehende Spaltung festgezurrt und Chancengleichheit nicht erreicht. Griechenland verliert so auf Dauer seine internationale Wettbewerbsfähigkeit.
The Greek educational system replicates the historical-cultural and regional segmentation of Greek society. In the past there was a gap between west-oriented Greeks with a high level of education on the one hand and uneducated natives on the other hand; nowadays we find well-off Greek students at western universities on the one hand and, on the other hand, the larger part of the national youth in the backward universities of their own country. In adult education, the traditional gap is perpetuated as well, and equality of opportunity has not been reached. Thus, Greece will lose its international competitiveness in the long run.
47 Abstract: Deutsch English
Anwendung und Praxisrelevanz von Weiterbildungsstatistiken
Ioannidou, Alexandra
In jüngster Zeit ist die Akzeptanz von Statistik im Bildungsbereich gestiegen. Nicht zuletzt als Konsequenz der Veröffentlichung internationaler Vergleichsstudien wie TIMSS und PISA wird statistischen Erhebungen wieder größere Beachtung geschenkt, da sie doch einige unbekannte Fakten ans Licht gebracht haben. Alexandra Ioannidou bereitet den gegenwärtigen Stand der Statistikbemühungen im Weiterbildungsbereich auf und spezifiziert den Gewinn für die Einrichtungen.
Recently, the acceptance of statistics in the education sector has grown. As a consequence of the publication of international comparative studies like TIMSS and PISA, more attention is paid to statistical surveys, as they have brought to light quite a number of hitherto unknown facts. Alexandra Ioannidou describes the present state of statistical activities in the further education sector and outlines what possible gains there are for institutions employing statistics.
 
3
Leben Organisationen?
Nuissl, Ekkehard
Nachwörter