DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung

DIE Zeitschrift 2005/1

Titelblatt der Printausgabe 2005/1

Entgrenzung

Mit „Entgrenzung” wird im Hinblick auf Weiterbildung ein Zustand und zugleich ein Prozess bezeichnet. Wo fängt Weiterbildung an, wo hört sie auf? Die Frage war schon immer schwer zu beantworten, angesichts der wachsenden Bedeutung von selbstgesteuertem und informellem Lernen wird dies zunehmend schwieriger. Das „Pädagogische” ist „überall”. „Entgrenzung” wird zumeist als unangenehm interpretiert, weil es die vertrauten Strukturen auflöst, mit denen das Arbeiten erleichtert war. Entgrenzte Teilnehmerschaften, entgrenzte Lernorte, entgrenzte Professionsverständnisse erzeugen Handlungsdruck und nötigen zur eigenen Positionsbestimmung. Der Begriff lässt sich aber auch positiv fassen als das zielgerichtete Übertreten inakzeptabler Grenzen. So jedenfalls versteht Heinrich Schneider, Direktor der VHS Stuttgart, den Begriff (siehe „Gespräch”).

INHALTSVERZEICHNIS
Seite
Vorsätze
3
Magazin
6 Berichte, Veranstaltungen, Neue Bücher, Neue Medien
Thema
24 Abstract: Deutsch
Stichwort
»Entgrenzung«
Kade, Jochen; Seitter, Wolfgang
Begriffklärungen rund um das Thema Entgrenzung.
26
Gespräch
»Entgrenzung als propagiertes Ziel«
Über Grenzen und ihre Überwindung
Schneider, Heinrich; Brandt, Peter
30 Abstract: Deutsch English
Meditation über einen Schlüsselbegriff
»Entgrenzung« in der reflexiven Moderne
Seiverth, Andreas
Für den Autor sind „Globalisierung” und „lebenslanges Lernen” die Entgrenzungsformeln des Ökonomischen bzw. des Pädagogischen schlechthin. Im Genre der Meditation entwickelt er den Entgrenzungsbegriff anhand von Katastrophen, Märkten, Lernzumutungen, der Macht des Ökonomischen, den Zuständigkeiten für Bildung. Mit Rekursen auf Comenius und Ralf Dahrendorf möchte der Autor den »amoklaufenden Ökonomismus zur Besinnung kommen lassen« und entdeckt die entgrenzende Kraft der weltbürgerlichen Bildung.
For the author, "globalization" and "lifelong learning" are the epitome of disengagement in the economic and/or the pedagogic field. Using the genre of meditation, he develops the concept of disengagement - a shedding of limitations - by the example of disasters, markets, exacting demands in the context of learning, the power of the economy, the responsibilities for education. Reflecting on Comenius and Ralf Dahrendorf, the author tries to ”bring the amok-running economism back to its senses” and discovers the emancipative power of education as an asset of citizens of the world.
33 Abstract: Deutsch English
Lebenslagen – Lebensphasen – Lebensstile
Entgrenzung der Teilnehmerschaft
Tippelt, Rudolf; Hippel, Aiga von
Individualisierungstendenzen haben zu einer Pluralisierung von Lebenslagen, Lebensphasen und Lebensstilen geführt. Entgrenzung im Blick auf die Teilnehmerschaft zeigt sich in der Diversifizierung der Teilnehmerschaft in Bezug auf Lebenslagen (vertikale Entgrenzung), auf Lebensphasen (zeitliche Entgrenzung) und Lebensstile (horizontale Entgrenzung). Das Konzept der sozialen Milieus als integrativer Ansatz vermag Entgrenzungstendenzen abzubilden und gleichzeitig mit seinen Instrumentarien auf eine entgrenzte Teilnehmerschaft durch eine differenzierte Angebotsstrategie und Programmpolitik zu reagieren.
Tendencies towards individualization have led to a pluralization of situations, phases and styles of living. Disengagement with reference to course participants manifests itself in the diversification of the group of course participants as far as their life situation (vertical disengagement), life phase (temporal disengagement) and style of living (horizontal disengagement) are concerned. The concept of social milieus as an integrative approach can represent tendencies of liberation and can at the same time react to disengaged course participants through a differentiated strategy of course planning and programme structure.
36 Abstract: Deutsch English
Entgrenzer von Lernorten / entgrenzter Lernort
Zur Rolle der Medien im Entgrenzungsprozess
Pietraß, Manuela
Durch ihren Einsatz in der Erwachsenenbildung resp. als zusätzlicher Lernort neben der Erwachsenenbildung führen Medien zu Entgrenzungen des Lernortes und sind zugleich selbst Ort von Entgrenzungen. In einer medienanalytischen Perspektive wird aufgezeigt, wie durch die Medien publizistische Kommunikatoren in das didaktische Dreieck aufgenommen werden und damit die pädagogische Rahmung der Lernsituation aufweichen. Zugleich kristallisieren sich neue Strukturen heraus, die die Bedeutung von Fachdidaktik und Personbezug als neu zu bewertende Qualitäten der Erwachsenenbildung aufscheinen lassen.
Through their employment in adult education, or as an additional means of learning alongside adult education, the media contribute towards the shedding of limitations of the place of learning and are themselves places of disengagement at the same time. The author, in a media-analytic perspective, outlines how communicators from the world of publishing are integrated into the didactic triangle and thus devaluate the pedagogical frame of the learning situation. At the same time new structures are emerging which highlight the importance of subject-specific didactics and of a person-centred approach as qualities in adult education which are awaiting a new appraisal.
39 Abstract: Deutsch English
Ohne Grenzen und klares Profil
Erwachsenenbildung/Weiterbildung als Profession
Peters, Roswitha
Erwachsenenbildung ist als Beruf weder nach außen klar abgegrenzt noch nach innen klar konturiert. So entsteht eine ambivalente Situation: Einerseits gibt es Berufsmöglichkeiten diesseits und jenseits der institutionalisierten Erwachsenenbildung. Andererseits droht die Verpflichtung auf einen im engen Sinne pädagogischen Berufszweck ebenfalls diesseits und jenseits der Grenze zu bröckeln. Die Autorin knüpft an einer Rede W. Schulenbergs aus dem Jahre 1969 an und zeigt Perspektiven für die Profession auf. Sie zielen auf eine Begrenzung von Berufsfeld und Aufgaben und somit auf eine Konzentration auf das Eigentliche erwachsenenpädagogischer Arbeit.
Adult education as a profession is neither clearly defined in relation to neighbouring fields nor clearly structured internally. Thus an ambivalent situation is created: on the one hand there are careers on this side and beyond institutionalised adult education. On the other hand the commitment towards a professional purpose seen as pedagogical in a narrow sense begins to crumble. The author refers to a speech by W. Schulenberg from 1969 and shows perspectives for the profession. They aim at a closer definition of the professional field and its responsibilities and thus at a concentration on the essence of andragogic work.
42 Abstract: Deutsch English
Das Pädagogische der Reflexionskultur
Betriebliches Lernen unter den Bedingungen der Transformationsgesellschaft
Egloff, Birte
Angesichts des beschleunigten Strukturwandels („Transformationsgesellschaft”) kann sich betriebliche Weiterbildung nicht mehr auf vertraute Lehr-/Lernformen stützen. Sie muss zur Entwicklungsbegleitung werden, unter der Führungskräfte zu ständiger Selbstbeobachtung geleitet werden („Reflexionskultur”). Dass solche Kulturformen bereits empirisch nachweisbar sind und inwiefern sie als pädagogische Kommunikation verstanden werden können, zeigt die Autorin anhand von Experteninterviews aus einem Frankfurter DFG-Projekt.
In the face of accelerated structural change (”transformation society”) in-company further education can no longer just rely on familiar forms of learning and teaching. It must evolve into a form of guidance for personal development, by which managers are directed towards continuous introspection (”culture of reflection”). The author shows that such phenomena can be empirically shown to exist at this moment in time, and outlines in which way they can be seen as pedagogical communication, by way of expert interviews from the context of a project of DFG (German Research Foundation) in Frankfurt.
Forum
49 Abstract: Deutsch English
Ankündigungsprogrammatik oder Umsetzungsplanung?
Schlussbericht der Expertenkommission »Finanzierung Lebenslangen Lernens« aus Ländersicht
Krug, Peter
Der Autor aus der weiterbildungspolitischen Administration des Bundeslandes Rheinland-Pfalz benennt die neuralgischen Punkte des Schlussberichts der Expertenkommission Finanzierung lebenslangen Lernens, insofern sie Länderpolitik betreffen. Er skizziert die vom Land anvisierten Umsetzungsschritte.
The author from the department of further education in the political administration of the German state Rhineland-Palatinate names the trouble spots of the final report of the Expert Commission on Financing Lifelong Learning, insofar they affect the politics of the states (Laender). He outlines the implementation steps which are aimed at by Rhineland-Palatinate.
51 Abstract: Deutsch English
Wechselseitige Qualitätsbeurteilung unter Kursleitenden
Erprobung »fallrekonstruktiver Qualitätszirkel« in der Erwachsenenbildung
Pohl, Dirk
„Fallrekonstruktive Qualitätszirkel” sind in der Erwachsenenbildung noch kaum erprobt. Unter Anleitung von Moderatoren reflektieren Kursleitende gegenseitig die Qualität ihrer Arbeit. Als Anschauungsmaterial dienen ihre eigenen Lehr-/Lernsituationen. Dass dieses Prinzip auf Wechselseitigkeit und Freiwilligkeit beruht, versteht sich von selbst. Die Methode, von der das Praxisbeispiel der KVHS Northeim berichtet, stammt ursprünglich aus der Gesundheitsförderung.
Case-reconstructive quality circles have hardly ever been tried out in adult education. Under the direction of trainers, course teachers reflect the quality of their work in a mutual process. Their own teaching/learning situation serves as illustrative material. It is self-evident that this method relies on mutuality and must be voluntary. The method, which is explained with the aid of a practice example from the KVHS Northeim, has its origins in health care.
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Überraschende Lerner-Reaktionen beim Umgang mit Neuen Medien
Beitrag über irritierende Erfahrungen zum Lernen mit Computer, die in einem Praxisprojekt des BLK-Modellversuchsprogramms LLL gewonnen wurden
Giessen, Hans
Das Lernen am Computer gelingt unterschiedlich gut. Die Beobachtungen aus einem Schulprojekt zeigen, dass offenbar den individuellen Prädispositionen der Lerner eine hohe Bedeutung zukommt. Es gibt im Blick auf mediengestütztes Lernen anscheinend ähnliche „Lernertypen” wie beim „traditionellen Lernen”. Der Beitrag erzählt von zwei Lernerbiographien; für einen Schüler ist der Computer ein Hindernis, für eine andere Lernerin ist der Rechner eine Chance, insofern er „anonymen und bestärkende Einzelunterricht” ermöglicht. Bezogen auf beide beobachtet der Autor eine reziproke Korrelation zwischen Sozialkompetenz und erfolgreichem mediengestütztem Lernen.
 
3
Vorsätze
Graniza
Nuissl, Ekkehard
Nachwörter