DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung

DIE Zeitschrift 2004/3

Titelblatt der Printausgabe 2004/3

Nutzen von Bildung

Eine natürliche Fortsetzung des Kosten-Heftes 2004/2: Was kommt, nach all den Investitionen in Bildung und Weiterbildung eigentlich Gutes hinten raus? Und vor allem für wen? Lässt sich der Nutzen von Bildung messen - gesellschaftlich und individuell - und wenn ja, wie? Wo liegen die Grenzen des Nutzenkalküls?
Eine Studie des BIBB hat gezeigt, dass Teilnehmende der Weiterbildung den Nutzung insgesamt sehr positiv einschätzen (Beitrag Beicht u.a.). Und im Interview (Alheit/Weiss) zeigt sich, dass der Nutzenkalkül der Bildungsökonomen keineswegs nur materiellen Nutzen im Blick hat. Fazit: Über den Bildungsnutzen muss mehr geredet werden, um denen, die gebetsmühlenartig auf die Kosten verweisen, die Stirn zu bieten.

INHALTSVERZEICHNIS
Seite
Vorsätze
3
Magazin
6 Berichte, Veranstaltungen, Neue Bücher, Neue Medien
Thema
24 Abstract: Deutsch
Stichwort
Nutzen von (Weiter-)Bildung
Brandt, Peter
Begriffklärungen rund um das Thema Nutzen von Bildung.
26
Gespräch
Keine Chance für engen Nutzenkalkül
Bildungsökonomie und Erziehungswissenschaft im Gespräch
Alheit, Peter; Weiss, Manfred; Brandt, Peter
31 Abstract: Deutsch English
Bildung als »regulative Idee«
Zum Verhältnis von Bildung und Nutzen
Spreen, Dirk
Einen funktionalen Bildungsbegriff hat schon Max Scheler entwickelt. Bei Scheler steht Bildung dem Nutzeninteresse nicht entgegen, sondern ermöglicht dem instrumentellen Interesse, einen Nutzen überhaupt zu erreichen. Unter den Vorzeichen der postmodernen Medien- und Massengesellschaft ist das Verhältnis von Bildung und Nutzen umzuformulieren. Unter Rückgriff auf Lyotard entwickelt der Autor die Idee von Bildung als einer regulativen Idee. Dieses Konzept erwartet von den Individuen nicht mehr die kulturelle Integration in Gesellschaft, sondern begnügt sich mit einem pluralen kulturellen Überschuss.
Already Max Scheler developed a functional definition of education. With Scheler, education is not only not opposed to usefulness, but even prerequisite for reaching certain aims at all. In terms of the postmodernist media and mass society the relationship between education and usefulness has to be reformulated. With reference to Lyotard, the author develops a concept of education as a regulative idea. Under these conditions, individuals are not expected to integrate themselves culturally into society; a pluralistic cultural surplus is seen as sufficient.
34 Abstract: Deutsch English
Formen des Nutzens und ihre Evaluierung
Weiterbildungsnutzen in ökonomischer Perspektive
Bodenhöfer, Hans-Joachim
Die Bildungsökonomie identifiziert unterschiedliche Nutzenarten von Bildung: den individuellen Nutzen sowie sog. externe Erträge, von der die Gesellschaft profitiert (interne wie externe Erträge können monetär und nicht-monetär sein). Dabei sind die einzelnen Nutzendimensionen unterschiedlich gut quantifizierbar. Der Nutzen von Weiterbildung ist bildungsökonomisch noch nicht so gut erforscht wie die Kostenseite. Die umfassenderen Wohlfahrtseffekte von Weiterbildung sind dabei besonders schwer messbar. Evaluierungen von Programmen und Maßnahmen mit Arbeitsmarktbezug dürften bisher ein zu positives Bild von deren Leistungsfähigkeit zeichnen.
The economy of education identifies various kinds of usefulness of education: individual benefits and also so-called external benefits, by which society profits (internal as well as external benefits can be monetary or non-monetary). These dimensions of usefulness differ in the degree to which they can be quantified. The benefits of education have not been researched as thoroughly as its cost. The more far-reaching welfare effects of further education are especially hard to measure. The evaluation of programmes and educational efforts in a work-related context will probably so far have drawn too rosy a picture of their efficiency.
38 Abstract: Deutsch English
Weiterbildung nützt
Empirische Unterschung des BIBB zum individuellen Nutzen beruflicher Weiterbildung
Beicht, Ursula; Krekel, Elisabeth M.; Walden, Günther
Die Privatpersonen in Deutschland tragen zum Teil hohe eigene Kosten und wenden in erheblichem Umfang Freizeit für ihre berufliche Weiterqualifizierung auf. Inwieweit zahlen sich die Investitionen von Geld und Zeit für die Weiterbildungsteilnehmenden aus? Im vorliegenden Beitrag wird dargestellt, wie die Teilnehmenden den Nutzen ihrer beruflichen Weiterbildung unter unterschiedlichen Aspekten einschätzen und wie sie das Verhältnis von Aufwand und Nutzen beurteilen. Hierbei zeigt sich ein hoher Zufriedenheitsgrad. Die Beurteilung des Nutzens beruflicher Weiterbildung unterscheidet sich aber teilweise signifikant hinsichtlich wichtiger soziodemographischer Merkmale der Teilnehmenden.
Private individuals in Germany bear in some cases high costs individually and spend leisure time to a considerable extent for their professional further qualification. To what extent does the investment of money and time pay for course participants in further education? The author outlines how course participants estimate to which degree they benefit from their professional further education and how they judge the relationship of cost and effect. A high degree of satisfaction is found. However, a significant relationship exists between degree of satisfaction and certain important socio-demographic characteristics of the course participants.
42 Abstract: Deutsch English
Warum nicht mal den Nutzen messen?
Evaluation von Bildungsarbeit
Reischmann, Jost
Lässt sich der Nutzen einer Weiterbildung messen? Was ist dabei methodisch zu beachten? Es muss vorab definiert sein, welche Indikatoren den Nutzen angeben sollen. Evaluatoren und Stakeholder müssen sich gemeinsam auf Sollwerte einigen. Mit den Methoden der quantitativen und qualitativen Forschung müssen Daten gesammelt werden. Anekdotisches hat unter Evaluationsgesichtspunkten keinen Wert. Am Schluss des Artikels zeigt der Autor vier prinzipielle Berechnungsmöglichkeiten auf: Kostenevaluation, Evaluation alternativer Kosten, Nutzenevaluation und Kombinationen der genannten.
Can the benefit derived from a course in further education be measured? Which methodological considerations are to be taken into account? It must be defined first of all which indicators are supposed to indicate the benefit. Evaluators and stakeholders must agree on set points. Data have to be collected using the methods of qualitative as well as quantitative research. Under evaluation aspects, anecdotic evidence has no value. At the end of the article, the author sums up four basic methods of calculation: evaluation of costs, of alternative costs, of benefit, or combinations of these.
48 Abstract: Deutsch
Rückblicke
Vom Nutzen der Eigenzeiten
Negt, Oskar
Historischer Längsschnitt zum Thema Nutzen
Dieser Artikel ist nur im Internet verfuegbar Abstract: Deutsch
Nutzen universitärer Weiterbildung im Nonprofit-Bereich
Ein Praxisbeispiel zur Nutzenerhebung am Verbandsmanagement Institut der Universität Freiburg/Schweiz
Beccarelli, Claudio
Die Universität Freiburg in der Schweiz hat ein Management-Modell für die Weiterbildung von Führungskräften in Nonprofit-Organisationen (FMM) erarbeitet. Eine ganzheitliche Herangehensweise soll den Teilnehmenden schnell einen praxisorientierten Nutzen garantieren und gleichzeitig eine Erfolgskontrolle ermöglichen. Der Artikel beschreibt das Verfahren und nennt die angewandten Kriterien zur Messung des individuellen und betrieblichen Nutzens.
Forum
49 Abstract: Deutsch English
An Entwicklungsaufgaben fehlt es nicht
Erwachsenenbildung in der erweiterten Europäischen Union
Welter, Sebastian
Mit diesem Beitrag eröffnet der Autor vom Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (IIZ/DVV) eine Leserdiskussion dieser Zeitschrift zum Thema „EU-Erweiterung und Bildung”. Sein Beitrag spannt den Horizont der anstehenden Diskussionspunkte auf. Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staatsordnungen in den mittelosteuropäischen Ländern haben Bildungseinrichtungen einen starken Autoritätsverlust erlitten. Er wurde nur teilweise durch kommerzielle Bildungsträger aufgefangen. Besonders für Benachteiligte ist der Zugang zu Bildung oft noch erschwert. Um Fördermittel für spezielle Angebote für diese Gruppen zu erhalten, müssen sich nationale Akteure den international diskutierten Themen und Vorgaben stellen. Auch dies eine Dimension der Entstehung eines europäischen Raums des Lebenslangen Lernens. Dies leitet den Autor zu einer Verhältnisbestimmung nationaler und internationaler Bildungsparadigmen – gerade auch im Hinblick auf Deutschland.
With this article, the author (of the Institute of International Cooperation, an institution within the German Adult Education Association, IIZ/DVV) opens up a readers’ discussion in this publication on the subject of education and the EU extension. In his article, an overview of the points of discussion is given. After the breakdown of the socialist societies in the middle and Eastern European countries, educational facilities suffered a severe loss of authority. This has only partly been balanced by commercial educational institutions. Particularly for disadvantaged persons, access to education is still often hard to come by. In order to receive financial support for measures directed at disadvantaged groups, national providers must face the challenge of taking up internationally discussed subjects and guidelines – this, as well, being one dimension of the emergence of a European realm of life-long learning. This brings the author to a definition of the relationship of national and international paradigms of education – especially with regard to Germany.
52 Abstract: Deutsch English
Traditionsbruch zugunsten eines zeitgemäßen Neuanfangs
»Bibliographie zur Erwachsenenbildung« wird als Printmedium eingestellt
Fiebig, Marco; Heuer, Klaus
Über 40 Jahre ist die »Bibliographie zur Erwachsenenbildung« erschienen. Dieser Service des DIE wurde im April in ein zeitgemäßeres Online-Angebot transformiert. In der Rückschau zeigt sich, dass die Bibliographie durch ihren Vollständigkeitsanspruch immer ein wenig behindert war, aber dennoch wesentlich zum Aufbau der Erwachsenenbildung als Teildisziplin der Erziehungswissenschaft beigetragen hat.
For over 40 years, the „Bibliography of Adult Education” has been published. This service of the DIE (German Institute of Adult Education) has now been changed into a more modern online format. Looking back, the bibliography may well have been a little hampered by its aspiration to completeness, but it still has performed an essential role in making adult education an important discipline within educational science.
Dieser Artikel ist nur im Internet verfuegbar Abstract: Deutsch
Wunder gibt es immer wieder, oder: Wie Arbeitslosigkeit um 51,6 Prozent gesenkt werden kann
Leserbrief von Gerhard Reutter zum Artikel »Qualifizierungsgutscheine statt Bildungsgutscheine« des Ökonomen Oliver Farhauer in der DIE Zeitschrift H. 2, 2004, S 33–36.
Reutter, Gerhard
Gerhard Reutter setzt sich mit einem Artikel des Ökonomen Oliver Farhauer aus der letzten Ausgabe der DIE Zeitschrift auseinander zum Thema Qualifizierungs- oder Bildungsgutscheine. Deutlich werden die unterschiedlichen Ansichten und Einschätzungen zu den Ursachen der Arbeitslosenzahlen und der Frage, welche Grundvoraussetzungen erfüllt sein müssen, um eine dauerhafte Eingliederung von Arbeitslosen in den Arbeitmarkt zu erreichen. Die Gegensätze treten besonders bei der Beurteilung der Qualität außerbetrieblicher Weiterbildung einerseits und dem Stellenwert betrieblicher Weiterbildung andererseits hervor.
Nachwörter