Rosemarie Klein/Anja Wenzig u. a.
Fünf Kurzbeiträge zu neuen Praxisprojekten im Themenbereich »Lernen in Weiterbildungseinrichtungen« des Programms »Lernkultur Kompetenzentwicklung«
In den vergangenen Jahren wurden Lernberatungskonzepte als eine Antwort organisierter beruflicher Weiterbildung auf die Anforderungen des lebenslangen, selbstorganisierten Lernens (weiter-)entwickelt und erprobt. Im Rahmen des Vorgängerprojekts „ProLern“ wurde Lernberatung als Lernprozessbegleitung (vgl. Kemper/Klein 1998) konzeptionell beschrieben und in einer Expertise präzisiert. Der neue Projektverbund »OKRA«[1] stellt sich nun der Aufgabe, Lernberatungskonzepte in ausgelagerte, nicht originäre Weiterbildungskontexte zu transferieren, um damit die Professionalisierung begleitender Lernberatung voranzutreiben.
Mit wissenschaftlicher Begleitung durch das bbb Büro für berufliche Bildungsplanung, Dortmund, arbeiten die vier Gestaltungsprojekte, die sich nachfolgend vorstellen werden, an diesem Vorhaben. Eine zentrale Dimension im Projektprozess stellt die Eröffnung neuer Geschäftsfelder mit und für Lernberatung dar. Die vier Projekte bewegen sich dabei in den Handlungskontexten:
Bei der Professionalisierung als Neuausrichtung des Entwicklungs-, Erprobungs- und Forschungsvorhabens stehen folgende Bezugspunkte im Mittelpunkt:
Die beschriebenen Aspekte sind gleichzeitig Arbeitsschwerpunkte der wissenschaftlichen Begleitung (WIB), die im Projektverbund mit trifokaler Ausrichtung als Begleitforschung, Prozessberatung und fachlicher/wissenschaftlicher Support agiert.
Literatur
Kemper, M./Klein R. (1998): Lernberatung. Gestaltung
von Lernprozessen in der beruflichen Weiterbildung. Baltmannsweiler
Schrader, J./Hartz, S. (2003): Professionalisierung – Erwachsenenbildung
– Fallarbeit. In: Arnold, R./Schüssler, I. (Hrsg.): Ermöglichungsdidaktik.
Baltmannsweiler, S. 142155
Schmitz (1984) (ohne bibliographische Angaben). In: Nittel, D. (1997): Die
Interpretationswerkstatt: Über die Einsatzmöglichkeiten qualitativer Verfahren
der Sozialforschung in der Fortbildung von Erwachsenbildnerinnen. In: Der
Pädagogische Blick. Weinheim. 5. Jg., S. 141150
Ansprechpartnerinnen:
Rosemarie Klein, Anja Wenzig
bbb Büro für berufliche Bildungsplanung
Tel: 0231 423380
Fax: 0231 4271114
E-Mail: klein@bbbklein.de, wenzig@bbbklein.de
www.bbb-dortmund.de
Ausgangslage
Das Stephanuswerk ist eine Einrichtung der medizinisch-beruflichen Rehabilitation. Mit dem Projekt „Professionalisierung begleitender Lernberatung in unterschiedlichen Handlungskontexten“ wird für das Stephanuswerk ein neues Geschäftsfeld eröffnet.
Der Träger der Einrichtung – die Evangelische Heimstiftung e. V. – umfasst mehr als 40 Einrichtungen der Altenhilfe. In Zusammenarbeit mit der Abteilung Personalentwicklung und Bildung der Hauptverwaltung soll die Frage geklärt werden, wie sich die Organisationsberatung mit dem Arbeitsansatz Lernberatung im Handlungskontext Altenhilfe auf struktureller und inhaltlicher Ebene entwickeln und beschreiben lässt. Im Unterschied zu sonstigen Organisationsberatungsansätzen legen wir bei der praktischen Umsetzung den Fokus zunächst auf die individuelle Reflexion, anschließend auf die kollektive Reflexion und leiten daraus organisationale Konsequenzen ab, wählen also einen induktiven Zugang zum Entwicklungsprozess.
Die Handlungsebenen
Erste Ergebnisse
Ansprechpartnerin:
Karin Behlke
Stephanuswerk Isny
Tel: 07562 741760
Fax: 07562 741203
E-Mail: karin.behlke@stephanuswerk.de
www.stephanuswerk.de
Projektidee
Vor dem Hintergrund aktueller Reformen in der Aus- und Weiterbildung für Gesundheitsberufe (Altenpflege, Gesundheits- und Kranken- bzw. Kinderkrankenpflege) besteht in den Schulen des Gesundheitswesens Bedarf an qualifizierten Lehrkräften, die innovative pädagogische Konzepte in ihren Ausbildungsstätten implementieren.
Die Kaiserswerther Seminare haben das Konzept „Prozessbegleitende Lernberatung im Trialog“ entwickelt und erprobt. Das Konzept bezieht sich dabei auf
„Prozessbegleitende Lernberatung im Trialog“ betont die geteilte Verantwortung der beteiligten Akteure im Bildungsprozess. Die Akteure sind
Projektvorhaben
Gemeinsam mit Leitenden und Mitarbeitenden aus zwölf Kooperationsausbildungsstätten aus vier Bundesländern werden Konzept und Curriculum für eine Weiterbildung „Professionalisierung für Lernberater“ entwickelt und in einem Pilotlehrgang erprobt.
Konzept und Curriculum folgen den Leitprinzipien der Lernberatung:
Darüber hinaus wird die Fallarbeit als Erwachsenenbildungskonzept – das Lernen an Fällen für die Entwicklung von Handlungskompetenz und Professionalität – als weiteres wesentliches Element der Curriculumentwicklung eingebracht.
Weiterbildung „Professionalisierung für Lernberater“
Die Weiterbildung qualifiziert Lehrende an Schulen des Gesundheitswesens, das Konzept der „Prozessbegleitenden Lernberatung“ in ihrer Ausbildungsstätte umzusetzen und weiter zu entwickeln. Gleichzeitig wird die Anschlussfähigkeit dieses Konzeptes zu aktuellen Konzepten in der Pflegepädagogik (wie beispielsweise Humanistische Pädagogik, subjektorientierte Pflegedidaktik, Problemorientiertes Lernen, Lernfeldorientierung) gesucht und bei den Entwicklungsarbeiten berücksichtigt.
Die Weiterbildung gliedert sich in drei Lernorte:
Präsenzphasen
Lernen im Prozess der Arbeit (circa 60 Unterrichtsstunden)
Selbstorganisiertes Lernen
Die Teilnahme an der Weiterbildung ermöglicht Kompetenzentwicklung und Qualifizierung einzelner Teilnehmer/innen (Personalentwicklung) und Unterstützung von Veränderungsprozessen in den Ausbildungsstätten (Schulentwicklung).
Projektphasen
Ansprechpartnerin:
Ilona Holtschmidt
Kaiserswerther Seminare Institut für Fort- und Weiterbildung
Tel: 0211 409-3721
Fax: 0211 409-3111
E-Mail: holtschmidt@kaiserswerther-diakonie.de
www.kaiserswerther-seminare.de
Neue Praxisperspektiven der Professionalisierung von Weiterbildung und Beratung für kleine Unternehmen
AusgangslageIn der täglichen Weiterbildungs- und Trainingspraxis stellt sich immer wieder die Frage, aus welchem Grund kleine Unternehmen, trotz wachsender Herausforderungen durch steigenden Anpassungsdruck und hohe Marktdynamik, kaum Bildungs- oder Beratungsleistungen wahrnehmen. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass die vorhandenen Weiterbildungsangebote in Bezug auf Inhalte, Methoden sowie personellen Aufwand nicht den Gegebenheiten in kleinen Unternehmen entsprechen.
Von dieser Konstellation ausgehend, sollen in unserem Gestaltungsprojekt jene Formen der Unterstützung von Veränderungsprozessen ermittelt werden, die von den kleinen Unternehmen angenommen werden und einen nachhaltigen Lernerfolg sichern.
GestaltungsprojektGemeinsam mit dem Fachverband Holz und Kunststoff Sachsen – dem Landesinnungsverband des Tischlerhandwerks – sowie Führungskräften aus interessierten Unternehmen werden erfolgversprechende Formen der Begleitung von Lern- und Entwicklungsprozessen ausgewählt. Im Rahmen der intensiven Betreuung von Veränderungsvorhaben in kleinen Unternehmen des Tischlerhandwerks durch Trainer des Bildungswerkes der Sächsischen Wirtschaft e.V. sowie durch externe Berater sollen diese relevanten Unterstützungsformen in der betrieblichen Praxis beispielhaft erprobt werden. In regelmäßigen Dialogen mit den Beteiligten wird über die Wirkung beziehungsweise den Erfolg der eingesetzten Weiterbildungs- und Beratungsmethoden reflektiert. In diesem Austausch haben die Führungskräfte und Mitarbeiter/innen der kleinen Unternehmen die Möglichkeit, eigene Vorstellungen zur Begleitung von Veränderungsprozessen einzubringen.
Die Erfahrungen der Beteiligten aus dem Projekt sind die Grundlage zur gemeinsamen Entwicklung eines Ausbildungsganges zum „Systemischen Prozessbegleiter“. Im Mittelpunkt dieser Weiterbildung sollen jene Formen der Unterstützung von Veränderungsvorhaben stehen, die mit den Bedingungen und Möglichkeiten in kleinen Unternehmen vereinbar sind.
In einem Expertennetzwerk wird mit erfahrenen Trainer/inne/n, Berater/inne/n und Personalverantwortlichen diskutiert, inwieweit dieses Weiterbildungskonzept auf andere Branchen oder Wirtschaftssegmente übertragbar ist. Ziel des Projektes ist die Generierung eines Bildungsangebotes zur Begleitung von Lern- und Entwicklungsprozessen für Führungskräfte und Berater/innen kleiner Unternehmen.
Ansprechpartner:
Ulf Neumann, Matthias Maier, Marco Pomsel
Bildungswerk der Sächsischen Wirtschaft e.V.
Akademiezentrum Dresden
Tel: 0351 4250227
Fax: 0351 4250226
E-Mail: az-dresden@bsw-ev.de
www.bsw-ev.de
Das Institut für angewandte Kulturforschung e.V. (IfaK) in Göttingen ist eine unabhängige Organisation, die an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis zu entwicklungs-, migrationspolitischen und interkulturellen Fragestellungen arbeitet.
Zentraler Ansatz des migrationspolitischen Engagements ist die Überzeugung, dass Migrant/inn/en über Kompetenzen verfügen, die sie im Verlauf der Migration erweitert haben und für deren Anwendung sie Gelegenheiten suchen. Dies wird ihnen häufig verwehrt, da die Betonung ihrer Defizite und die Nichtanerkennung ihrer schulischen und beruflichen Abschlüsse als Gründe angeführt werden, um auf ihre Fähigkeiten zu verzichten.
Professionelle Lernberatung soll zur Förderung der Kompetenzen von Migrant/inn/en beitragen. Das zu diesem Thema konzipierte Projekt bearbeitet folgende Fragen:
Das IfaK favorisiert eine Perspektive, die in erster Linie die Kompetenzen der Migrant/inn/en betont und ihnen dadurch eine breitere Akzeptanz in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen verschafft. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch die Weiterentwicklung von Kriterien für die Erfassung dieser Kompetenzen.
In einem ersten Schritt wurde mit der Einführung des Begriffs der Transferkompetenz versucht, diese Positivsicht zu realisieren. Der Begriff umschreibt die Fähigkeiten der Migrant/inn/en, ihre im Heimatland und während der Migration erworbenen Kompetenzen auf die neue Umgebung zu übertragen und einzubringen. Ein geglückter Transfer der Kompetenzen bedeutet einen Zugewinn an Handlungs- und Gestaltungskompetenz in zwei oder mehr kulturellen Kontexten. Mit unserem Ansatz der Abkehr von der Defizitorientierung möchten wir die Forderungen an die neue Lernkultur aufgreifen und die Notwendigkeit der Ressourcenorientierung unterstreichen, die eine ganzheitliche Reflexion des Lernenden erfordert und biographische Züge trägt.
Jede Kompetenz ist kontextabhängig und kann daher nur in der entsprechenden Situation wirksam werden. Zur Entwicklung und Erfassung der Transferkompetenz ist es also nötig, adäquate Gelegenheitsstrukturen für Migrant/inn/en zu schaffen, damit sie ihre Kompetenz unter Beweis stellen können. In diesem Zusammenhang will das Projekt einen Beitrag zur Systematisierung von Gelegenheitsstrukturen in Weiterbildungseinrichtungen und in verschiedenen Organisationen der Netzwerke leisten.
Die wachsende Bedeutung des selbstorganisierten Lernens und die damit verbundene Notwendigkeit der Lernberatung in Weiterbildungseinrichtungen ist in der Region Südniedersachsen bisher zu wenig wahrgenommen worden. Es fehlt vor allem an kontinuierlichen Angeboten für die Professionalisierung der Lernberater/innen und Weiterbildner/innen selbst. Es besteht noch viel Unklarheit über die Frage, welche Kompetenzen die Beratenden brauchen und welche besonderen Fragen zu berücksichtigen sind, wenn Weiterbildungs- oder Beratungseinrichtungen mit Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten.
Weiteres Ziel des Projektes ist, eine Fortbildung zu konzipieren, die die Erfassung und Förderung der Transferkompetenz bei Migrant/inn/en in den Mittelpunkt stellt. Um diese in ihrem Integrationsprozess unterstützen zu können, müssen Lernberater/innen migrationsspezifische Kenntnisse besitzen, Dimension und Bedeutung von interkulturellem Handeln kennen und Sensibilität für diskriminierende Verhaltensweisen entwickeln. Viele der „unspezifischen“ Lernorte, wie Sportvereine oder Jugendzentren verstehen sich selbst gar nicht als Lernorte. Die besondere Herausforderung ist, hier das Interesse an Lernberatung zu wecken und angepasste und den besonderen jeweiligen Verhältnissen angemessene Lösungen für Beratung und Weiterbildung zu entwickeln.
Ziel des Projektes ist, mit
zu einer Bündelung in einer Beratungsstelle zu kommen und dadurch einen Beitrag zur Professionalisierung der Lernberatung und zur Förderung der Kompetenzen von Migrant/inn/en zu leisten.
Ansprechpartner/innen:
Outi Arajärvi, Dr. Roland Drubig, Bernadette Tusch
IfaK – Institut für angewandte Kulturforschung e.V.
Tel.: 0551 487141
Fax: 0551 487143
E-Mail: ifak@comlink.org
www.ifak-goettingen.de
[1] Der Projektverbund ist Teil des Themenbereichs „Lernen in Weiterbildungseinrichtungen“ im Programm „Lernkultur Kompetenzentwicklung“, das von BMBF und ESF gefördert wird.