DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung

DIE Zeitschrift 2007/3

Titelblatt der Printausgabe 2007/3

BA/MA - die Studiengänge

Die Einführung gestufter Studiengänge erhitzt seit geraumer Zeit die Gemüter an den Hochschulen. Nicht alles, was dort zur Debatte steht, muss die Erwachsenenbildung interessieren. Aber wenn es um die Ausbildung ihres eigenen Nachwuchses geht, müsste sie hellhörig werden. Wofür steht der Bachelor? Wer stellt 22-jährige Hochschulabgänger ein, zu welchen Konditionen? Wird die Ausbildung europäischer? Wozu qualifizieren BA und MA wirklich? Ein Heft für Studierende und alle, denen die Zukunft der Profession am Herzen liegt.

INHALTSVERZEICHNIS
Seite
Vorsätze
3
Magazin
6 Berichte, Veranstaltungen, Neue Bücher, Neue Medien
15
Wie im wirklichen Leben!?
Second Life als Lebens- und Bildungswelt
Stang, Richard
Thema
22 Abstract: Deutsch English
Rückblicke
Herausforderungen des Bologna-Prozesses
Neue Graduierungen (BA/MA) und die traditionelle Universität
Knoll, Joachim H.
Der Beitrag fragt nach der Beziehung neuer BA/MA-Graduierungen zum System traditioneller Universitäten, das in Deutschland mit dem Namen Wilhelm von Humbodts verbunden wird. Weil die Universität schon immer auch Ausbildungsfunktionen übernommen hätte, könnte die heutige Reform durchaus durch die klassische Universitätsidee legitimiert werden. Nach einem Kurzabriss des Bologna-Prozesses und unter Berücksichtigung disziplinärer Fragestellungen der Erwachsenenbildung resümmiert der Autor die erfolgte Implementierung eher kritisch. Hier sei vieles zu schnell und mit zu viel Eigeninteresse umgesetzt worden. Von der Kritik unberührt bleibt die ursprüngliche Zielperspektive, Mobilität, Flexibilität, competitiveness und employability durch vereinheitlichte Ausbildungsgänge und Graduierungen zu erreichen
Challenges of the Bologna process. New graduations (B.A./M.A.) and the traditional university
The contribution enquires for the relation between new B.A./M.A. graduations and the system of traditional universities, which in Germany is closely connected with the name Wilhelm von Humboldt. Because the university has always been having an education function, today’s reform could by all means be legitimised by the classic idea of university. After a brief outline of the Bologna process and under consideration of disciplinary posing of questions of adult education, the author rather critically sums up the implementation that took place. Here many things have been implemented too quickly and with too much self-interest. Untouched by the criticism is the original aim perspective, to reach mobility, flexibility, competitiveness and employability through standardized courses of training and graduations.
26 Abstract: Deutsch English
Quo Vadis Abolvent?
Erste Einschätzung vom BA/MA-Studienort Bochum
Wittpoth, Jürgen
Der Beitrag sichtet Erfahrungen in Bezug auf Absolvent/inn/en erziehungswissenschaftlicher BA- und MA-Studiengänge in Bochum. Zum Bachelor: Die Absolventenquote liegt mit 60 Prozent weit oberhalb der früheren Quoten – etwa im Magisterstudiengang. Während etwa die Hälfte der Absolventen das Studium in Bochum fortsetzt, münden andere unmittelbar in den Arbeitsmarkt ein. Sie finden Anstellungen im weiteren Umfeld der Erwachsenenbildung. Für die Aufnahme des Master-Studiums ist oft das Motiv leitend, »erst mal weiter zu machen« So bekommt der Master den Charakter eines Moratoriums. Studierenden gelingt gelegentlich ein vorzeitiger Übergang in Berufstätigkeit, nicht zuletzt, weil mit dem Bachelor bereits ein qualifizierender Berufsabschluss vorliegt.
Quo vadis graduate? First assessment of the BA/MA study location Bochum
The contribution looks through experiences in relation to graduates of B.A. and M.A. courses of study in educational science in Bochum. Concerning the bachelor: The graduate quota with 60 per cent is much higher than previous quotas – like in the master course of study. While approximately half of the graduates continue their study in Bochum, others enter the employment market directly. They find employment in the wider setting of adult education. For the taking up of a master study, often the motive is leading ”first to just continue”. This is how the master receives a character of a moratorium. Students occasionally manage an early transition into professional life, not least because the bachelor already is a qualifying graduation for employment.
28 Abstract: Deutsch English
Der BA/MA-Unsinn
Eine Widerrede
Reischmann, Jost
Die Polemik gegen die Studienreform beginnt bei ihrem Absolutheitsanspruch und der Ableitung eines »Diplom-Verbots« aus dem Bologna-Prozess. Der Bildungspolitik wird unterstellt, aus finanziellen Gründen Bachelor und Master eingeführt zu haben. Der Autor hält 15 Thesen zum Schaden fest, den die Studienreform anrichtet, u.a.: 1. BA und MA sind studienzeitverlängernd. 2. Der BA vernichtet Studienplätze. 3. Der BA ist nicht berufsqualifizierend. 4. Die Verschulung verhindert die Ausbildung von Schlüsselkompetenzen. 5. Die Mobilität innerhalb Deutschlands wird verunmöglicht. Der Beitrag wird abgerundet durch einen Blick nach Amerika.
The B.A./M.A. nonsense. A backtalk
The polemic against the university reform begins at its claim of absoluteness and the derivation of a ”diploma prohibition” of the Bologna process. The educational politics is being assumed to have introduced the bachelor and master for financial reasons. The author captures 15 theses on the damage, which the university reform brings. Among others: 1. B.A. and M.A. are extending the time of study. 2. The B.A. destroys university places. 3. The B.A. does not qualify for an occupation. 4. The taking over of school like methods prevents the formation of key competences. 5. The mobility within Germany is made impossible. The contribution is rounded-off by a look towards America.
30
Erwartungen an BA/MA-Absolvent/inn/en
Eine Umfrage der DIE Redaktion
32
Gespräch
Korsett mit nicht nur schlechten Nebenwirkungen
Studierende aus Gießen diskutieren das Für und Wider des gestuften Studiums
Schemmann, Michael
35 Abstract: Deutsch English
Der "European Master in Adult Education"
Transnationale Studiengänge als Frucht des Bologna-Prozesses
Egetenmeyer-Neher, Regina
Ausgehend von den Dokumenten des Bologna-Prozesses lenkt der Beitrag den Blick auf die europäische Dimension in Studienprogrammen europäischer Hochschulen. Im Bereich der Erwachsenenbildung hat ein gemeinsamer Studiengang von acht europäischen Universitäten und dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung eine Vorreiterrolle. Der im Rahmen eines Erasmus-Projekts entwickelte und von der Universität Duisburg-Essen koordinierte »European Master in Adult Education« (EMAE) hat das Ziel, die Transparenz von Erwachsenenbildungs-Studiengängen, Mobilität von Pädagogik-Studierenden sowie den europäischen Diskurs in der Erwachsenenbildung zu fördern. Der englischsprachig durchgeführte und mit Online-Modulen angereicherte Master-Studiengang umfasst ein gemeinsames europäisches »Core Curriculum« (70 ECTS) sowie ein nationalen Inhalten orientiertes »University Specific Offer« (50 ECTS). Der Studiengang wurde inzwischen bereits erfolgreich akkreditiert und wird im Wintersemester 2007/08 starten.
The ”European Master in Adult Education”. Transnational courses of study as the fruit of the Bologna process
Proceeding from the documents of the Bologna process, the contribution directs its gaze at the European dimension in study programmes at European universities. In the area of adult education a joint study programme of eight universities and the German Institute for Adult Education has a pioneering role. The ”European Master in Adult Education” (EMAE), developed in the context of an Erasmus project, coordinated by the University of Duisburg-Essen, has the aim of supporting the transparency of adult education courses of study, mobility of pedagogy students as well as the European discourse in adult education. The master study carried out in English and enriched with online modules, comprises a joint European ”Core Curriculum” (70 ECTS) as well as a ”University Specific Offer” (50 ECTS) with nationally orientated contents. The course of study has been successfully accredited in the mean time and will start in the winter semester 2007/2008
38 Abstract: Deutsch English
Standbeine der Professionalisierung
Der "Qualifikationsrahmen für Lehrende" und das "Kerncurriculum EB/WB"
Kraft, Susanne; Schmidt-Lauff, Sabine
Hier werden zwei Initiativen miteinander verglichen, die zur Professionalisierung des Weiterbildungsbereichs beitragen wollen. Der »Qualifikationsrahmen für Lehrende in der Weiterbildung« ist ein deutsches Derivat des Europäischen Qualifikationsrahmens. Er schafft ein Raster, in dem die vielfältigen Qualifizierungswege für Lehrende des Weiterbildungsbereichs vergleichbar gemacht werden können. Das »Kerncurriculum EB/WB« entspringt einer Initiative der Sektion Erwachsenenbildung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften (DGfE). Es legt diejenigen Inhaltsfelder fest, die bei einer Studienreform im Rahmen von BA/MA-Studiengängen notwendig sind, um das Wissen und die Handlungskompetenzen für das Berufsfeld EB/WB zu sichern. Beide Ansätze ergänzen sich gut und stellen jeweils auf Kompetenzorientierung ab.
Main pillars of professionalisation. The ”qualification framework for teachers” and the ”core curriculum adult education and continuing education”
Here two initiatives are being compared, which want to contribute to the professionalisation of the continuing education area. The ”qualification framework for teachers” is a German derivate of the European Qualifications Framework. It creates a grid in which the manifold qualification possibilities for teachers of the continuing education area can be made comparable. The ”core curriculum adult education and continuing education” originates from an initiative of the Section German Association for Educational Science (DGfE). It determines those content fields that are necessary in a university reform in the frame of B.A. and M.A. courses of study, in order to secure the knowledge and the action competencies for the professional field of adult education and continuing education. Both basic approaches are complementary and are aiming at competence orientation.
Forum
42 Abstract: Deutsch English
Familiengründung als Sollbruchstelle?
Interaktion von Elternschaft und Weiterbildungsteilnahme
Friebel, Harry
Im Rahmen eines empirischen Längsschnittforschungsprojekts werden die Prozesse und Wendepunkte der Weiterbildungspraxen im geschlechtstypischen Lebenszusammenhang dokumentiert und diskutiert. Die Erhebung belegt eine geschlechtstypische Änderung des (Weiter-) Bildungsverhaltens von Männern und Frauen, wenn sie Väter und Mütter werden: Die Weiterbildungsbeteiligung von Vätern nimmt enorm zu, die der Mütter reduziert sich erheblich. Angesichts der Tatsache, dass Frauen mit der Sollbruchstelle Mutterschaft ohnehin in der Regel in diskontinuierliche Erwerbsarbeitskarrieren einmünden, wäre Weiterbildungsteilnahme aber eine Chance, die Entwertung beruflicher Qualifikationen zu verhindern.
Foundation of a family as a predetermined breaking point? On the interaction of parenthood and participation in adult education and continuing education
Within the context of an empirical longitudinal research project, the processes and turning points of the continuing education practise are documented and discussed in a gender-typical context of life. The survey proves the gender-typical change of the (continuing) education behaviour of men and women when they become fathers and mothers: The participation of fathers in continuing education increases enormously, while women’s participation reduces drastically. Given that women with the predetermined breaking point of motherhood anyhow as a rule enter a discontinuing professional career, continuing education would be a chance to prevent the devaluation of professional qualification.
46 Abstract: Deutsch English
Kulinarische Kompetenz entwickeln
"Food literacy" als Querschnittsaufgabe für die Erwachsenenbildung
Büning-Fesel, Margret; Groeneveld, Maike; Müller, Claudia
Ernährungsrelevante theoretische Kenntnisse und praktische Fertigkeiten in der Zubereitung von Speisen nehmen immer mehr ab. Zugleich steigen die Anforderungen an die persönliche Ernährungskompetenz: Die Angebotsvielfalt fordert vom Verbraucher laufend Entscheidungen und Zeitbudgets für Ernährung werden – in Konkurrenz zu Arbeits- und Mediennutzungszeiten – kleiner. Der Beitrag stellt die Konzeption eines Grundtvig-Projektes vor, das sich zum Ziel gesetzt hat, »Ernährung« zu einem Querschnittsthema zu machen. Es sollen gerade nicht eigene Veranstaltungen zu diesem Thema etabliert werden, sondern vielmehr soll innerhalb bestehender Angebote unterschiedlichster Provenienz Ernährung Lerngegenstand werden.
Development of culinary competencies. »Food Literacy« as a horizontal task for adult education
Nourishment relevant theoretical knowledge and practical skills in preparing dishes are more and more decreasing. At the same time the requirements towards the personal feeding competence are increasing: the variety of offers continuously demands decisions and a time budget for nourishment from the consumer – these become smaller in competition to work times and media using times. The contribution introduces the concept of a Grundtvig project, which has set the aim of making nourishment a horizontal theme. The idea is not to establish own events on this theme but to make existing offers of different provenance a learning matter.
Nachwörter