DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung

DIE Zeitschrift 2011/3

Titelblatt der Printausgabe 2011/3

Herausforderung DQR

Nach der Veröffentlichung eines Entwurfs für den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) im November 2010 befindet sich die Diskussion in einer kritischen Phase. Die Weiterbildung
findet zunehmend Interesse am Thema und hat Einflussmöglichkeiten erschlossen. Aber ihr bleibt nicht viel Zeit, in der DQR-Diskussion Position zu beziehen. Ihre Optionen im bildungspolitischen Machtspiel müssen offengelegt und reflektiert werden. Hierzu leistet das Heft einen wichtigen Beitrag. Im Rahmen einer Umfrage bei Praxisverbänden hat die Redaktion Haltungen und Handlungsoptionen erhoben. Zudem klärt das Heft über die internationalen Hintergründe der Debatte auf und fokussiert als Spezialfall sektorale Qualifikationsrahmen für die Weiterbildung.

INHALTSVERZEICHNIS
Seite
Vorsätze
3
Magazin
6 Berichte, Veranstaltungen, Neue Bücher, Neue Medien
Thema
Dieser Artikel ist nur im Internet verfuegbar Abstract: Deutsch
Ergebnisse einer Befragung von Weiterbildungsverbänden zum DQR
Die "DIE Zeitschrift" hat zum Heftthema DQR Praxisverbände und – soweit sie Mitglieder im Verein DIE sind – Vertreter von Sektoren der Weiterbildung um ihre Stellungnahme zu vier Fragekomplexen gebeten, die den Horizont abstecken, in dem das Thema DQR in der Erwachsenenbildung diskutiert wird. Nicht alle befragten Organisationen konnten antworten, aber mit den Statements der Institutionen Deutscher Volkshochschul-Verband (DVV), Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (KBE), Arbeit und Leben (AuL), Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB), Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Forum DistancE Learning (FDL) und Deutsche Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudien (DGWF) liegt ein beachtliches Meinungsspektrum vor. Hier finden Sie die Einzelstatements im Volltext.
26
"Erwachsenenbildung bisher nur gedanklich verankert"
Ergebnisse einer Befragung von Weiterbildungsverbänden zum DQR
Brandt, Peter
29 Abstract: Deutsch English
Qualifikationsrahmen als globales Phänomen
Eine Skizze zu Geschichte und Systematik
Bohlinger, Sandra
Auf der ganzen Welt wurde seit den 1980er Jahren Qualifikationsrahmen als Reaktion auf bildungspolitische und ökonomische Reformbedarfe implementiert. Der Beitrag differenziert systematisch zwischen Qualifikationsrahmen und berichtet über die jeweils landesspezifischen Ausformungen.
Dabei zeigt sich, dass die systematische Einbindung von allgemeiner, beruflicher und universitärer Bildung mehr oder weniger weltweit angestrebt wird, um den Zugang zum Lebenslangen Lernen möglichst breiten Bevölkerungsschichten zu ermöglichen.
Educational training frameworks have been implemented throughout the entire world since the 1980s in reaction to educational training policy exigencies and the need for economic reforms. This article makes systematic distinctions between educational training frameworks and describes specific national forms.
By the same token, it is evident that the systematic inclusion of general, vocational and university educational training has been sought more or less throughout the world in order to make it possible for as broad social strata as possible to have access to lifelong learning.
33 Abstract: Deutsch English
DQR: Chance oder Risiko?
Aus einer Expertenbefragung im Volkshochschulbereich
Fuchs, Sandra
Der Beitrag referiert Experteneinschätzungen zu Chancen und Risiken des aktuellen DQR-Prozesses aus Volkshochschul-Sicht. Die sieben Experten aus Deutschland und Österreich, die im Projekt EU-Transfer befragt wurden, setzen sich vor allem mit der Fokussierung auf formales Lernen kritisch auseinander. Der Perspektivwechsel zur Lernergebnisorientierung kann Impulse für die Programmplanung geben, erfordert aber auch neue Kompetenzen des Weiterbildungspersonals.
This article reports on expert assessments of the opportunities and risks of the current DQR process from the perspective of adult education centres. The seven experts from Germany and Austria who were surveyed in the EU Transfer Project critically analyse above all the focus on formal learning. The change in orientational perspective towards towards learning results can offer an impetus for programme planning, but also requires new skills and abilities on the part of further educational staff.
35 Abstract: Deutsch English
Das Modellprojekt "Offene Hochschule Niedersachsen"
Nutzung vorhandener Bildungsressourcen im Kontext des Lebenslangen Lernens
Gruschinski, Constanze; Kirsch, Silja
In Zukunft soll es möglich werden, dass beruflich qualifizierte Bewerber/innen die Universität ohne eine in der Schule erworbene Zugangsberechtigung besuchen können. Damit soll ein Beitrag zur Bewältigung des drohenden Fachkräftemangels in Deutschland geleistet werden. Auch Einrichtungen der Erwachsenenbildung sollen dabei helfen, den Übergang in die Hochschule zu erleichtern. Die Autorinnen des vorliegenden Artikels berichten von einem diesbezüglich erfolgversprechenden Ansatz, dem Niedersächsischen Modellprojekt »Offene Hochschule«.
Das Ziel des Projekts ist ein kompetenzorientiertes Bildungssystem, welches die tatsächlich vorhanden Fertigkeiten und nicht allein die exklusive Bildungsbiographie der zukünftigen Studenten berücksichtigt.
In the future it should be possible for educationally qualified applicants to be able to attend a university without university-entrance certificates acquired in a secondary school. This is meant to help ease the looming shortage of skilled labour in Germany. Facilities in the area of adult education are also to help facilitate the transition to a school of higher learning. The authors of this article report on a promising approach along these lines – the Lower Saxony model project »Open University«. The project aims at a skills-oriented educational system which takes into account existing skills and not solely the exclusive educational biography of future students.
39 Abstract: Deutsch English
Ein sektoraler Qualifikationsrahmen für die Weiterbildung
Lattke, Susanne; Strauch, Anne
Ein sektoraler Qualifikationsrahmen für die Weiterbildung kann zu einem einheitlichen Bezugspunkt der Weiterbildung werden. Mittlerweile existieren Projekte wie Flexi-Path, QF2TEACH oder die Studie »Key competences for adult learning professionals«, die sich als Puzzlestücke zu einem größeren Konzept zusammenführen ließen. Den Vorteil eines sektoralen Qualifikationsrahmens sehen die Autorinnen darin, dass ein SQR-WB näher am Weiterbildungssystem ist als allgemeine Qualifikationsrahmen.
A sectoral educational training framework for continuing education can become a uniform reference point for continuing education. Projects such as Flexi-Path, QF2TEACH or the study »Key competences for adult learning professionals« fit together like pieces of a puzzle to form a larger strategy. The authors view the advantages of a sectoral educational training framework to be found in the fact that an SCEF-CE is closer to the continuing education system than general educational training frameworks are.
43 Abstract: Deutsch English
Wie viel Intransparenz vertragen die EU-Transparenzinstrumente?
Zwischenruf
Diekmann, Knut
Der Zwischenruf stellt Qualifikationsrahmen in den Kontext von Strategien des europäischen Raums für lebenslanges Lernen. Er fragt kritisch nach der Konsistenz von Initiativen, die in unterschiedlichen Politikfeldern unabhängig voneinander Transparenz von Tätigkeiten, Kompetenzen und Qualifikationen schaffen wollen.
Educational training frameworks constitute an intervention in the context of strategies of the European Space for Lifelong Learning. It poses critical questions regarding the consistency of initiatives seeking to create transparency of activities, skills and qualifications in different fields of policy independently of one another.
Forum
45 Abstract: Deutsch English
Wider den Teufelskreis des Misserfolgs
Metakognitive Strategien erhöhen Erfolgszuversicht beim Lernen
Kaiser, Ruth; Kaiser, Arnim
Der Beitrag aus dem BMBF-geförderten Projekt KLASSIK untersucht, ob die Vermittlung metakognitiver Techniken das Vertrauen in den eigenen Lernzugriff wirksam steigern kann und so einen Beitrag dazu leistet, dass der Teufelskreis von Misserfolgserwartung und Misserfolg beim Lernen (hier: älterer Erwachsener in alltagsnahen Problemlösesettings) durchbrochen werden kann. Die empirische Erhebung zeigt, dass durch Werkzeuge wie Selbstbefragung, paarweises Problemlösen, Lerntagebuch oder Portfolio Misserfolgsattribuierungen verringert werden können und ein qualitativer Lernzuwachs erfolgt. Leistungsschwächere sind am Ende der Testkurse ebenso wie Leistungsstärkere davon überzeugt, kompetent mit Lernprozessen umgehen zu können.
This article, which emanates from the KLASSIC project funded by the Federal German Ministry for Education and Research, explores whether the conveyance of metacognitive techniques effectively boost confidence in one’s own learning effort, thus helping escape the vicious cycle of expectations of failure and failure itself (in this case: older adults in everyday settings void of problems). The empirical study shows that tools such as self-surveys, paired problem-solving, learning diaries or portfolios can reduce attribution of the causes of failures and bring about a qualitative improvement in learning. Lower performers as well as high performers are convinced that they can deal with learning processes in an efficient way at the end of test courses.
Nachwörter